Dialektik der Führung. Opfer und Täter

978-3932425158

Das Buch von Klaus Doppler „Dialektik der Führung. Opfer und Täter" fasziniert durch seine Perspektive. Doppler schreibt aus der Sicht eines fingierten Mitarbeiters in Form eines Tagebuches. In vier Kapiteln beschreibt und reflektiert dieser Mitarbeiter seine Erfahrungen mit Führung. Zu Beginn seiner Aufzeichnungen gilt seine Aufmerksamkeit nur denen „da oben". Der Chef ist immer an allem schuld, versteht ihn nicht oder missachtet ihn. „Überhaupt, wenn Sie wüssten, was wir alles unter der Hand auf dem sogenannten kleinen Dienstweg erledigen...." (S. 37) Diese Anklagen, Rachegelüste und einseitigen Schuldzuweisungen ändern zwar nichts an der Situation, aber sie tun gut und entlasten. (Teil I: Von Splittern und Balken)

Im Laufe der Zeit wird er zunehmend neugieriger darauf, seinen Chef zu ergründen. "Wenn Sie mich schonen, dann doch nur, weil Sie sich selbst schonen wollen, weil Sie sich einen Konflikt ersparen wollen." (S. 63) Der Mitarbeiter erkennt zusehends mehr die Verhaltensdilemmata der Führungskräfte. Er ist durch seine ironischen Bemerkungen allerdings noch weit davon entfernt, in komplexeren Strukturen zu denken. (Teil II: Relativierungen und Dilemmata)

Im dritten Kapitel kommt der Mitarbeiter dazu, sich selber mehr zu verstehen. Er setzt sich mit sich und seiner Vergangenheit auseinander. „Mir wäre lieber, wir könnten direkter über unsere ureigenen, auch primitiven Interessen miteinander verhandeln.(...) Tauschverhandlungen führen wie in Kindertagen - mit Murmeln, Briefmarken oder Heiligenbildchen.... „ (S. 90) Eine schonungslose Auseinandersetzung mit sich selbst und dem Leben beginnt. Er wird autonomer und sein Weltbild ändert sich, das geprägt war von einem linearen Denken. (Teil III: Selbsterkundungen und Einsichten)

Im letzten vierten Kapitel entwickelt der Mitarbeiter die Fähigkeit, Widersprüche im Leben akzeptieren zu können, ohne zu resignieren. Diese ernüchternde und zugleich beruhigende Erkenntnis macht ihn emotional stabiler. „Muss ein Chef tatsächlich Orientierung geben? Ich bin unsicher geworden. Ich suche zwar immer danach, bin aber jedes Mal stolz, wenn ich den Weg selbst gefunden habe. Jede Orientierung ist auch Entmündigung." (S. 122 f.) (Teil IV: Heitere Verwirrung)

Dieser Entwicklungsprozess einer langen Auseinandersetzung mit Klagen, Vorwürfen, Ironie und Selbsterkenntnissen ist äußerst anregend geschrieben. Klaus Dopplers Ansatz dabei ist, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen. „sich innerlich auf den Stuhl und in die Lage derer zu versetzen, denen die Führungsmaßnahmen gelten". (S. 11)

Durch die Tagebuchform ist es Klaus Doppler gelungen, seine vielfältigen Erfahrungen als Trainer und Managementberater sehr anschaulich und in einer äußerst lebendigen Weise zu vermitteln. „Dialektik der Führung. Opfer und Täter" ist ein kreatives und vor allem originelles Buch, das durch Menschlichkeit, Fachkompetenz, Humor und Weisheit geprägt ist.

Ein Kleinod in der Literaturlandschaft zum Thema Führung.

(veröffentlicht in: supervision 3/2002)

Titel: Dialektik der Führung. Opfer und Täter
Autor: Klaus Doppler
ISBN-13: 978-3540008729
Verlag: Springer, Berlin
weitere Infos: www.amazon.de
Institut für Psychodrama & Supervision 
Beratungspraxis Münster

Dr. Hans Ulrich von Brachel

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